Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 10 Antworten
und wurde 661 mal aufgerufen
 Abtrünnig und ausgestoßen - Gottes verlorene Kinder!
Eisblume Offline




Beiträge: 3.396

23.04.2012 04:36
Die Philosophie Zitat · antworten

Der "Glaube"

Ich möchte nicht 'wieder' pauschalisieren und "muss" deshalb in der Ichform schreiben, was beim Philosophieren eh nicht anders sein sollte.

Ja, ich habe einmal an einen Gott geglaubt. Inzwischen bin ich der Überzeugung, ich habe geglaubt, um dieses Gefühl nicht empfinden zu müssen, alleine zu sein... mit allem.
Ja, unter so vielen Milliarden Menschen ist es nicht unmöglich, sich ganz alleine zu fühlen und auch zu sein. Ja, auch mit Glauben.

Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn sich Menschen in ihren Sorgen und Nöten und im Glück an ihren Gott wenden. Wer darin seinen Sinn und die Erfüllung gefunden hat, halte dies für sich fest.
Glaube ist Erfahrung... Welche?
Ich habe keine Erfahrung mit ihm, dem grossen 'Gott' gemacht. So banal und einfach ist es. Diese 'Erfahrung' hat mich darauf schliessen lassen, dass es ihn nicht geben kann, denn es gab sehr viele "Gründe" für 'ihn', sich eingreifend zu zeigen! So es ihn geben sollte...

Es gab und gibt keinen Gott, den ich für irgendetwas böses in meinem Leben verantwortlich machen kann, aber auch nichts hat er damit zu tun, wie glücklich ich in meinem Leben war, bin und noch sein werde.

Mit und ohne 'beten'... es geschieht alles - ohne Gott.
Und so gibt es Menschen, die eine Gottesnähe nicht mehr zulassen können und auch irgendwann nicht mehr wollen. Alles mit sich alleine regeln.
Ein Gottvertrauen verloren haben oder gar nicht erst entwickeln konnten/können, keines, was im Fundament ein ganzes Leben lang bestehen kann und sich auch nur im Kleinsten bewährt oder 'beweisen' lässt.
Kann sich wirklich ein anderer Mensch dann anmassen wollen zu sagen, es ist "einfach" oder nur bequem, (s)einen Glauben so wegzuwerfen? Nein das ist es nicht, es ist - wer mit Glauben einmal in Berührung gekommen ist und tief indoktriniert wurde - sogar unermesslich schwer, sich vom klebrigen "Glaubenspech" zu befreien.

Und so dann zu wenig an sich heranlassen können, sodass sie z.B. nicht einmal dann weinen können, wo es sinnvoll ist und helfen kann und doch so sehr befreien kann. Ich gehör(t)e dazu.

Es ist ein Balanceakt der Gefühle. Doch es ist weder ein Gott noch ein Satan für mein Schicksal verantwortlich, das gestalte ich nach grossen Kämpfen mit anderen Menschen und mir in meinem Verhalten samt dessen Folgen selbst. Abgesehen von den Dingen, die nicht beeinflussbar sind.

Doch, ich kenne tiefgläubige Menschen, nicht alleine NAKi's, bei denen es es mir auch nicht schwerfällt, sie zu mögen; dem steht nichts im Weg. Menschen nehmen mir mit ihrem Glauben ja nichts weg, ich ihnen ohne einen Gott ja auch nicht. Der Prozess hält noch an, in dem ich meine Akzeptanzbereitschaft stetig erweitere.
Bedingt ist es mir möglich, mit ihnen über ihre Weltbilder zu philosophieren, nein, nicht lange, doch immerhin ohne Schmerz.

Ich fühle mich ohne einen Gott heute nicht mehr alleine. Alles gibt es ohne ihn, das Leid wie das Glück. Ich versuche, ein zufriedenes Leben zu geniessen, um dann sagen zu können, ja mein Leben hat mich belohnt, es war gut. Ich habe gelebt und geliebt.
Das macht mich glücklich.

Eisblume.

__________________________________________________
Jeder Tag ist ein kleines Leben,
jedes Erwachen eine kleine Geburt,
jeder frische Morgen eine kleine Jugend,
und jedes zu Bett gehen und Einschlafen ein kleiner Tod.
~ Arthur Schoppenhauer

lorenzolo Offline




Beiträge: 4.183

23.04.2012 10:39
#2 RE: Die Philosophie Zitat · antworten

Gerade in der NAK wurde das Einsamkeitsgefühl ja systematisch gezüchtet. Die Abtrennung von "der Welt" ('in der Welt aber nicht von der Welt') wurde uns ja mit viel Aufwand seitens der "Pinguin-Maschine"(*) eingepflanzt. Ich erinnere mich an so manchen Kindergottesdienst, in dem das das Hauptthema war: Dass wir nicht so sein sollten wie "die anderen", und dass wir doch niemals allein seien, weil wir jederzeit mit unserem Gott sprechen könnten...

Das ist ganz klar: Uns wurde das Normal-Menschliche verboten / vergrault / madig gemacht / angstbesetzt(!), um dann in das so entstehende Vakuum diesen "Gott" einzupflanzen.
Das macht natürlich ein Problem, sobald eine "Gottektomie" (Gottesentfernung) ansteht, weil man erkannt hat, wie der Hase läuft! Unser ganzer Seelenhaushalt ist ja entsprechend umgestellt worden. Kein Wunder also, dass so viele Ex-Neuapostolen/-Innen Psychotherapie benötigen...

((*) Damit meine ich den "Amtsträger"-/Funktionärsapparat.)

P. S.: Wie wird die "Liebe zu Gott" erzeugt? - Man verdirbt den Menschen die normale Liebe (zu Menschen). (Dazu benützt man religiöse Vorschriften.) Dann macht man ein "erlösendes Ersatzangebot": Den nach Bedarf hingebogenen "Gott".
Aus dem Nähkästchen geplaudert: Meine Frau ist katholisch erzogen worden. Dabei waren auch ein paar Jahre Klosterinternat. Ich würde sagen: Das war kein Haar besser. Die Nonnen haben es ja vorgelebt: Das waren allesamt solche Frauen, denen man die normale Liebe versaut hatte, und die dann ins Kloster gingen, um "den Herrn" zu lieben. Und wenn sie dann evtl. noch "Liebe" zu ihren Zöglingen entwickelten ( - das wurde ja erwartet - ), dann war das sekundäre Liebe: Liebe, die in dieser Ideologie "der Liebe zu Gott entsprang"... Wie verquer und teilweise pervers solche Liebe im Endeffekt sein kann, hat sich ja - im Bereich der kath. Kirche - inzwischen herumgesprochen. Der Grund, warum das Resultat teilweise so übel ist, dürfte sein, dass in dieser "Liebe" immer noch der (oben genannte) erste Schritt steckt: Das Verderben des normalen Menschlichen. D. h.: Diese "Liebe" ist von Anfang an verdorben...

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
"Wer Dich dazu bringen kann, Absurditäten zu glauben, kann Dich auch dazu bringen, Gräueltaten zu begehen." (Voltaire)

Eisblume Offline




Beiträge: 3.396

23.04.2012 11:31
#3 RE: Die Philosophie Zitat · antworten

... man verdirbt den Menschen die normale Liebe zum Menschen...

Das stimmt, es ist wissenschaftlich "ausgewertet" belegt worden, wie wenig lebensfähig schon ein Kind ohne Liebe oft ist. Kümmerlinge oder sie sterben früh. Die mit dem stärksten Lebenswillen überleben... Der gezahlte Preis dafür ist hoch... manchmal zu hoch.

Sekundäre Liebe... Liebe aus zweiter Hand in der Kirche...
ist es wirklich ein so erstrebenswerter "Ersatz", von "Gott" geliebt zu werden? (Höheres Wesen) Andere Menschen auf Geheiss lieben zu sollen, müssen, z.B. nur, weil es doch die lieben 'Mitgeschwister' sind?

Es ist schön, lieben zwar erst spät zu (er)lernen, sie dann aber ohne jegliches schlechte Gewissen schenken zu können, geben und nehmen gleichwohl aus dem Vollen. Menschen! Und das zu keinem Wesen, von dem so schreckliche Sachen gelehrt werden.

Jüngstes Gericht... jeder empfängt den Lohn und die 'Strafe' für sein Handeln.
Und warum sind nicht alle Menschen vor diesem Gott gleich, sondern nur die Neuapostolen haben die 'Gewissheit', Gottes Kinder zu sein und "errettet" zu werden?
Nein, ein wahrer Gott müsste sie doch alle gleichermassen lieben. Ja auch die, die nach menschlichem Ermessen das nicht 'verdient' haben.
Und das ist der Punkt, es wird nach rein menschlichen Massstäben gemessen.

Wie funktioniert es eigentlich, wenn ich mir einen individuellen Glauben zurechtzimmere, indem ich mir alles, was gut, schön und liebenswert ist, für mich heraus- und in Anspruch nehme und alles andere unangenehme "prophezeite" abwerte oder als notwendiges 'Übel' in Kauf nehme; was bitte sowieso nur für die anderen gilt;
in der Hoffnung, dass mich der böse Blitz nicht treffen möge, weil und wenn ich nicht 'immer oder so ganz' glaubensgehorsam war?

Eisblume.

__________________________________________________
Jeder Tag ist ein kleines Leben,
jedes Erwachen eine kleine Geburt,
jeder frische Morgen eine kleine Jugend,
und jedes zu Bett gehen und Einschlafen ein kleiner Tod.
~ Arthur Schoppenhauer

Isa Offline




Beiträge: 5.158

23.04.2012 20:52
#4 RE: Die Philosophie Zitat · antworten

Für mich ist mit diesen 3 Stufen aus Nietzsches Haupterk „Also sprach Zarathustra“ so gut wie alles erklärt.

1. Abhängigkeit von Autoritäten und Meistern.
2. Losreißen von diesen, Erkämpfen der Freiheit.
3. Hinwendung zu den eigenen Werten und endgültigen Zielen.


http://www.focus.de/wissen/mensch/philos...e_aid_6042.html

_________________________________________________
„Omnia vincit amor, et nos cedamus amori.“ - Vergil

Eisblume Offline




Beiträge: 3.396

23.04.2012 21:13
#5 RE: Die Philosophie Zitat · antworten

Ja, ich weiss, warum ich Nietzsche mag, Isa.
Ich kenne nur vereinzelte richtig gute Zitate aus Nietzsches "Also sprach Zarahustra", nicht das ganze Werk.

Und dennoch oder auch trotzdem mache ich mir so meine eigenen Gedanken zum Thema. Ich finde erklären und erklären lassen gut und wichtig.
Ich weiss noch lange nicht alles, was ich erklärt haben möchte und nicht ganz so viel erkärt sich 'von selbst'. Ich bin nicht mehr die Jüngste.. und doch ist mir so vieles verborgen geblieben, was anderen Menschen so klar erscheinen mag...

Jeder entwickelt seine Lebensphilosophie, die geprägt ist vom Ich... und den Erfahrungen mit "Gott und der Welt"...

Noch einige wenige Ziele stehen offen.
Es wird nicht aufhören, der Ehrgeiz und der Wille, selbst unmöglich erscheinendes zumindest versuchen, zu vollenden.
Eisblume.

__________________________________________________
Jeder Tag ist ein kleines Leben,
jedes Erwachen eine kleine Geburt,
jeder frische Morgen eine kleine Jugend,
und jedes zu Bett gehen und Einschlafen ein kleiner Tod.
~ Arthur Schoppenhauer

Isa Offline




Beiträge: 5.158

23.04.2012 21:33
#6 RE: Die Philosophie Zitat · antworten

Vielleicht kennst du diesen Link ja noch nicht. Er ist sehr interessant.

http://www.zeno.org/Philosophie/M/Nietzs...ach+Zarathustra

_________________________________________________
„Omnia vincit amor, et nos cedamus amori.“ - Vergil

Eisblume Offline




Beiträge: 3.396

23.04.2012 21:40
#7 RE: Die Philosophie Zitat · antworten

Isa, ja, das ist interessant für mich.

__________________________________________________
Jeder Tag ist ein kleines Leben,
jedes Erwachen eine kleine Geburt,
jeder frische Morgen eine kleine Jugend,
und jedes zu Bett gehen und Einschlafen ein kleiner Tod.
~ Arthur Schoppenhauer

Isa Offline




Beiträge: 5.158

23.04.2012 21:44
#8 RE: Die Philosophie Zitat · antworten

Dacht ich mir's doch, denn ich finde es auch interessant.

_________________________________________________
„Omnia vincit amor, et nos cedamus amori.“ - Vergil

Isa Offline




Beiträge: 5.158

23.04.2012 22:22
#9 RE: Die Philosophie Zitat · antworten

Hier habe ich noch einen netten Link, vielleicht möchtest du den auch noch lesen.

http://www.philolex.de/einfph09.htm

_________________________________________________
„Omnia vincit amor, et nos cedamus amori.“ - Vergil

Eisblume Offline




Beiträge: 3.396

24.04.2012 14:08
#10 RE: Die Philosophie Zitat · antworten

Danke, Isa,
ich werd mich damit eine Weile beschäftigen.
Eisblume.

__________________________________________________
Jeder Tag ist ein kleines Leben,
jedes Erwachen eine kleine Geburt,
jeder frische Morgen eine kleine Jugend,
und jedes zu Bett gehen und Einschlafen ein kleiner Tod.
~ Arthur Schoppenhauer

Eisblume Offline




Beiträge: 3.396

26.04.2012 12:35
#11 RE: Die Philosophie Zitat · antworten

Aus Isas Link:

Zitat
Die Religion ist ein kindlicher Traum der Menschheit.
Sie muss aus ihm erwachen, um in der Wirklichkeit zu erlangen,
was sie sich in der Religion erträumt.

Ganz genau so fühlte ich mich...
wie aus einem über lange Strecken bösen Traum erwacht.
Und es gibt so viel zu entdecken...
Eisblume.

__________________________________________________
Jeder Tag ist ein kleines Leben,
jedes Erwachen eine kleine Geburt,
jeder frische Morgen eine kleine Jugend,
und jedes zu Bett gehen und Einschlafen ein kleiner Tod.
~ Arthur Schoppenhauer

Ähnliche Themen Antworten Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Erste Hilfe - Notfallzettel
Erstellt im Forum Sexueller Missbrauch in der NAK von Isa
22 03.12.2014 09:59
von lorenzolo • Zugriffe: 2449
Religionsunterricht in der Schule? – Nein, danke!
Erstellt im Forum Was bedeutet Glaube und Religion? von Isa
29 05.09.2013 21:02
von Vezelay • Zugriffe: 1404
Gug: Ich bin vor vielen Jahren ausgestiegen
Erstellt im Forum Wer oder was bin ich? Meine Probleme beim Ausstieg aus der NAK von gug
16 17.05.2015 09:45
von Uncle Zic • Zugriffe: 2049
 Sprung  
Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor