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 Der Einstieg zum Ausstieg!
Eisblume Offline




Beiträge: 3.396

21.04.2014 17:41
Was (auch) zum Kirchenaustritt überzeugen kann Zitat · antworten

Ich veröffentliche hier eine mail von einem nahen Verwandten, der kürzlich aus der ev. Landeskirche offiziell ausgetreten ist und nun sein Bestätigungsschreiben bzw. die Antwort(en) darauf vom für ihn zuständigen Pfarrer erhalten hat.

Dieser mail ging ein erstes Schreiben von diesem Herrn Pfarrer voraus, das wohl das übliche Formschreiben der ev. Landeskirche ist, wo das Bedauern über das sich von Gott und Glauben entfernen ausgedrückt wird und die Tür zur Kirche ja immer offen bliebe für ein Wiederkommen und er (Pfarrer) sich auch gerne für evtl. darüber gewünschte persönliche Gespräche zur Verfügung stellen würde für vielleicht klärendes zu Glaubenstechnischen "Dingen".

Ich kann mich mit dem folgenden identifizieren, denn es deckt sich mit den meisten meiner Ansichten und meinem (ähnlichen) Weltbild.
Ich fand es lesenswert und auch, dass diese Gedanken es wert sind, von anderen Menschen gelesen zu werden und bedanke mich noch einmal für die zur Verfügungstellung der mail.
Aus Personenschutzgründen habe ich Adressat und Verfasserdaten entfernt.

Aus diesem Kontext entstand dann die folgende Erwiderung:


Fwd: Austritt aus der Kirche // Ihr Schreiben vom 26.03.2014

Sehr geehrter Herr ...,

ich beziehe mich auf Ihr Schreiben vom 26.03.2014 anlässlich meines Kirchenaustritts und danke Ihnen zunächst für Ihre Anmerkungen und Hinweise.

Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege, aber nach meinem Kenntnisstand muss ich vor einem Kirchenaustritt, den ich ja letztendlich einzig und allein vor meinem Gewissen zu verantworten habe, niemand um ein Gespräch ersuchen. Zwar war die Erklärung gegenüber der Kirchengemeinde in der Vergangenheit eine zwingende Anforderung. Aus meiner Sicht hat der Gesetzgeber aber aus gutem Grund diese Verpflichtung abgeschafft.

Tatsächlich bin ich – in meriner Kindheit und Jugend – getauft und auch konfirmiert worden. Beide kirchlichen Vorgänge geschahen jedoch nicht so sehr auf Grund meiner eigenen Wünsche oder Ansichten, sondern vielmehr auf Grund familiärer und gesellschaftlicher Zwänge. Es ist für mich schwierig zu akzeptieren, dass in unserer heutigen Gesellschaft, die eigentlich von der grundrechtlich verbrieften Trennung von Kirche und Staat geprägt sein sollte, immer noch wie selbstverständlich erwartet wird, dass die Bürger unseres Staates die Existenz eines höheren Wesens und – damit einhergehend – die Unfehlbarkeit und Omnipräsenz der Kirche akzeptieren. Dabei haben Kirche und Religion seit Jahrhunderten – wissentlich und in voller Absicht – unermessliches Leid über die Menschheit gebracht. Und das Verhalten von Kirchenvertretern in der aktuellen Diskussion um gleichgeschlechtliche Ehe, um Kreationismus, Abtreibung und den Mißbrauch von Schutzbefohlenen zusammen mit der unverhohlenen Verschwendungssucht einiger prominenter Kirchenoberen zeigen, dass es der Kirche immer noch genau an der Toleranz und sozialen Kompetenz mangelt, die sie selbst immer wieder predigt. Anders ist es auch nicht zu erklären, dass die christlichen Kirchen immer noch die grauenvollen Tiraden von religiösen Fanatikern und Hasspredigern aus ihren eigenen Reihen unkommentiert stehen lassen und nichts gegen die in ihrem Namen begangenen Taten unternehmen – egal, ob es um die Verfolgung und drakonische Bestrafung sozialer Minderheiten, um die religiöse Indoktrination von Kindern oder um terroritische Anschläge von Abtreibungsgegnern geht.

Natürlich geht es bei meiner Entscheidung auch um den Aspekt der Kirchensteuer, da ich nicht bereit bin, eine Institution mit zu finanzieren, die geprägt ist von Intoleranz gegenüber Andersdenkenden und der wie selbstverständlichen Annahme, der einzig legitime Vertreter einer höheren Instanz zu sein. Einer höheren Instanz, deren Existenz schon vor langer Zeit wissenschaftlich widerlegt wurde und die – wenn es sie denn gäbe – eine vollkommen unverständliche Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der eigenen Schöpfung zeigte. In so fern läuft auch Ihre Argumentation bezgl. der notwendigen Solidarität gegenüber dem Leid Anderer ins Leere. Meine Solidarität mit den Opfern von Gewalt, Schicksal und Naturkatastrophen (die – nach Lesart Ihrer Kirche – ja alle immer durch Ihren Gott ausgelöst, gutgeheißen oder doch zumindest stillschweigend akzeptiert worden sein müssten) kann ich auch ohne Mitgliedschaft in einer Kirche oder Religionsgemeinschaft zum Ausdruck bringen. Ich engagiere mich seit über einem Vierteljahrhundert in einer international tätigen Hilfsorganisation, die über alle Grenzen und Religionen hinweg immer für Menschen in Not da ist und die dafür keine staatlich sanktionierte Steuer braucht.

Letztendlich ist für mich Ihre Frage, ob ich mit Gott abgeschlossen habe, dann auch nicht die richtige Frage zu meinem Kirchenaustritt. Ich kann mit keinem surrealen Konzept einer kleinen (und immer kleiner werdenden) Gruppe irrgeleiteter Mitmenschen abschließen, das so offensichtlich im Widerspruch zu Wissenschaft und Realität steht. Daher bin ich mir auch sicher, dass die Menschen überall auf der Welt sich ohne Kirchen mehr auf die sozialen Werte von Miteinander und Solidarität konzentrieren könnten, statt sich von Predigern und Fanatikern zu abscheulichen Taten gegenüber Andersdenkenden und Andersfühlenden anstacheln zu lassen.

Dennoch danke ich Ihnen für Ihr Angebot einer offenen Tür in Ihrer Kirche. Und ich möchte dieses Angebot mit einem Angebot meinerseits erwidern: Gerne möchte ich mit Ihnen auch ohne Kirchenmitgliedschaft im Dialog bleiben, um Ihnen die Fehler und Probleme Ihres Glaubens aufzeigen zu können und Ihnen Gelegenheit zu geben, meine Argumente mit Ihrer Sicht auf Ihren Glauben erwidern zu können. Ich freue mich auf einen angeregten, philosophisch geprägten Diskurs mit Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen,
...

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Jeder Tag ist ein kleines Leben,
jedes Erwachen eine kleine Geburt,
jeder frische Morgen eine kleine Jugend,
und jedes zu Bett gehen und Einschlafen ein kleiner Tod.
~ Arthur Schoppenhauer

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